19 Februar 2020

[Rezension] "Wie du mich siehst" von Tahereh Mafi

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Originaltitel: A Very Large Expanse of Sea
Autor:
 Tahereh Mafi
Übersetzer: Katarina Ganslandt
Erscheinungstermin: 27. November 2019
Seitenanzahl: 352 Seiten
Reihe: Einzelband
Verlag: Fischer Sauerländer
Preis: 16,00 €
ISBN: 978-3-7373-5696-1


Zum Weinen, zum Verlieben, zum Wütendwerden
Bestsellerautorin Tahereh Mafi erzählt einen bewegenden, kraftvollen, autobiographisch geprägten Roman, der Vorurteile enthüllt und uns daran teilhaben lässt, wie Liebe alles Trennende überwindet.
Eine Kleinstadt in den USA: Shirins Alltag ist zum Albtraum geworden. Sie hat genug von den unverschämten Blicken, den erniedrigenden Kommentaren und den physischen Attacken, die sie ertragen muss, weil sie Muslima ist. Sie flüchtet sich ins Musikhören und in das Breakdance-Training mit ihrem Bruder und dessen Freunden. Shirin hat beschlossen, niemandem mehr zu trauen. Bis sie an ihrer neuen High School den Jungen Ocean trifft. Er ist der erste Mensch seit langem, der Shirin wirklich kennenlernen möchte. Erschrocken weist Shirin ihn harsch zurück. Ocean ist für sie aus einer Welt, aus der ihr bisher nur Hass und Ablehnung entgegenschlugen. Aber dann kommt alles anders ...
(Cover und Inhalt Copyright by Fischer Sauerländer)



"Wie du mich siehst" von Tahereh Mafi hat mich etwas verloren und sprachlos zurückgelassen. 

Shirin ist ein starkes Mädchen, auch wenn sie das selbst nicht so sieht. Als Muslima, die auch noch ein Kopftuch trägt, ist ihre Eingliederung in der Gesellschaft, besonders in der Highschool von Vorurteilen stark geprägt. Durch die ganzen Umzüge Ihrer Eltern muss sie sich immer und immer wieder in einer neuen Schule zurechtfinden und das führt dazu, dass ihr alles egal ist. Die Schule, die Menschen und sie redet sich ein, dass ihr auch die Bemerkungen egal sind. Das alles an ihr abprallt. Sie lebt in ihrer Blase und schottet alles und jeden von sich ab ... bis sie Ocean begegnet.

Shirin ist ein wunderbarer, emotionaler und vielseitiger Charakter. Sie ist schlagfertig, wirkt abgehärtet aber das ist sie nicht. Ihr macht die Situation zu schaffen. Sie wird nicht wie ein Mensch behandelt und wie soll man so etwas einfach an sich abprallen lassen? Die emotionale Tiefe in dem Buch hat mich unfassbar berührt und mitgenommen. Tahereh Mafi hat mit ihren Worten die Emotionen so eingefangen, dass sie sich sofort auf mich übertragen haben und ich beim lesen gespürt habe, wie es Shirin geht. Die Angst, die Wut und die Frustration ... aber auch die Gefühle, die sie in Oceans nähe überwältigen.

Breakdance spielt für Sie eine wichtige Rolle. Es ist eine Leidenschaft, die sie endlich wirklich ausleben kann. Mit ihrem Bruder und seinen Freunden lernt sie gemeinsam das Breakdancen und das ist ihre Ablenkung aber sie intensiviert die Beziehung zu ihrem Bruder und auch zu seinen Freunden. Sie hat so einen Rückzugsort.


Ocean ist einfach cute. Ein Junge, der nicht von Vorurteilen geprägt ist und Shirin einfach nur näher kennenlernen will. Er lässt sich nicht von ihrer abweisenden Art vertreiben und probiert es wieder und wieder. Er bemüht sich und diese Hartnäckigkeit macht ihn schon sehr sympathisch. Ocean ist aber auch naiv. Er kann sich nicht vorstellen, was Shirin durchmachen muss, da er nie das wahre Gesicht der Menschen gesehen hat. Diese Verachtung von anderen Religionen, anderen Kulturen.

Rassismus ist der Mittelpunkt der Handlung. Shirin ist dem ständig ausgesetzt und dann verliebt sie sich in einen weißen Jungen und das, was sich daraus ergibt, sind Wut, Verachtung und Diskriminierung. Es sind Beleidigungen und sogar körperliche Angriffe. Es will einfach nicht in meinem Kopf, dass es keine Fiktion ist. Das es wirklich Menschen gibt die so reagieren und so mit anderen Menschen umgehen, nur weil sie andere Traditionen haben und aus einem anderen Land stammen.

Aufgelockert wird das ernste Thema von der Liebesgeschichte. Shirin und Ocean entwickelt Gefühle füreinander und das ist so unendlich süß beschrieben. Ihre Nervosität und die Unsicherheit im Umgang mit Ocean ist so intensiv, dass ich selbst ganz nervös wurde und den Atem stellenweise angehalten habe. Auch Oceans Emotionen werden sehr gut aufgefangen.

Das i-Tüpfelchen ist dann noch das Ende! Es hat mich so aufgewühlt zurückgelassen, dass ich das Buch zur Seite legte und erst einmal zehn Minuten nur die Wand angestarrt habe. Das Buch sorgt für ein reines Gefühlschaos.

Ein sehr ernstes Thema, das mit erschreckender Deutlichkeit und auf sehr emotionale Weise dem Leser näher gebracht wird. Tahereh Mafi hat es ohne Probleme geschafft, dass ich beim Lesen Shirins Gefühle gespürt habe. Es war so intensiv, dass ich das Buch teilweise kurz pausieren musste. Es sind aber nicht nur Shirins Angst und die Demütigung, die sie über sich ergehen lassen muss. Es ist auch ihre Freude am Breakdance, ihre allmählich intensiver werdenden Gefühle für Ocean, die mich beim lesen erwischt haben. Ein grandioses Buch von der ersten bis zur letzten Seite.

Wertung:

♥ Vielen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar ♥
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